Vision

Auf bestehenden Qualitäten aufbauen

Das Modellfoto aus dem Studienauftrag (Studio Märkli, Christophe Girot Landschaftsarchitektur) zeigt vier Hochhäuser eingebettet in eine grosszügige Parklandschaft. Auch in der zukünftigen Siedlung kommt dem grosszügigen Aussenraum, welcher von der heutigen Bewohnerschaft sehr geschätzt wird, eine zentrale Rolle zu: Die neuen Gebäude sind eingebettet in eine weitläufige Parklandschaft mit hochgewachsenen Bäumen und einer hohen Aufenthaltsqualität. Es entsteht eine Vielfalt unterschiedlicher Wohnungstypen für verschiedene Generationen.

Um die hochgesteckten Ziele und die architektonische und städtebauliche Qualität sicherzustellen, hat die Eigentümerschaft im Herbst 2020 sechs Planungsteams zu einen Studienauftrag eingeladen. Die Vorgaben dafür wurden im engen Austausch mit der Gemeinde erstellt und im Dialog mit der heutigen Bewohner- und Nachbarschaft reflektiert und präzisiert. Die Ergebnisse des Studienauftrags liegen jetzt vor.

Die Bauherrschaft hat das Ziel, hier langfristig bezahlbaren und attraktiven Wohn- und Lebensraum zu schaffen.

Christoph Graf, Projektleiter Pensionskasse V-ZUG

Ausgangslage

Während der Nachkriegszeit sorgten Wohnhochhäuser für Aufsehen: Bauten wie die Scheibenhäuser in Inwil/Baar sind ein wesentlicher Teil dieser jüngeren Baukultur
Die nördlichen drei Scheibenhochhäuser sind im Besitz der Pensionskasse der V-ZUG, das südliche in Richtung Inwil gehört der Pensionskasse BVK; der WWZ AG und der Urban Assets Zug AG gehören jeweils ebenfalls eine Parzelle des Areals

Die vier Scheibenhochhäuser befinden sich im Zentrum von Inwil, zwischen Dorfplatz Inwil, Zuwebe und Rigistrasse. Das heutige Areal umfasst die vier Scheibenhochhäuser, wovon sich drei in Besitz der Pensionskasse der V-ZUG befinden und eines – das Richtung Inwil Dorfkern – im Besitz der BVK. Das Areal wurde durch die Eigentümer und durch die Gemeinde Baar als Gebiet von ortsbaulicher Bedeutung mit grossem Potenzial eingestuft.

Die Grundeigentümer sind sich der architekturhistorischen Bedeutung der bestehenden Scheibenhochhäuser durchaus bewusst. Die Liegenschaften wurden in den Jahren 1965 bis 1967 errichtet und zählen somit zu den ersten Hochhäusern, die in der Fertigbauweise erstellt wurden. Das diente damals dem Zweck, möglichst schnell und kostengünstig viel Wohnraum zu errichten.

Neubau oder Sanierung?

Besonders sorgfältig wurde von den Beteiligten die Frage geprüft, ob die heute beliebten Scheibenhäuser renoviert oder durch Neubauten ersetzt werden sollten. Unter Abwägung architekturhistorischer, ökonomischer und ökologischer Gesichtspunkte sowie im Hinblick auf die Bedürfnisse und Ansprüche der heutigen und künftigen Bewohnerschaft fiel der Entscheid letztlich zugunsten eines Ersatzneubaus. Trotz mehrfachen früheren Sanierungen wären heute massive Eingriffe notwendig, um etwa den aktuellen Anforderungen bezüglich Energie, Wohnkomfort, Behindertengerechtigkeit, Statik und Brandschutz gerecht zu werden. Auch bei einer Gesamtsanierung müssten alle Bewohnerinnen und Bewohner ausziehen, da beispielsweise auch die Erschliessungskerne inkl. Treppenhäuser erneuert werden müssten. Zudem müssten wesentliche, für die Erscheinung prägende Elemente ersetzt werden. Dies wurde von unabhängigen Experten, die vom Amt für Denkmalpflege und Archäologie beauftragt wurden, bestätigt.

Im Falle einer Sanierung hätten die Bewohner letztlich viele Nachteile in Kauf nehmen müssen, ohne aber von den Vorteilen einer zeitgemässen Neugestaltung zu profitieren. Der heutige Bestand von 216 Wohnungen kann – übereinstimmend mit den Zielen der Gemeinde – mit dem Neubau um etwa 50 Prozent erhöht werden, was nicht zuletzt auch weiterhin tragbare Mieten begünstigt.

Prozess

Der Planungsprozess für die Erneuerung der Scheibenhochhäuser ist im Januar 2019 im Austausch mit der Gemeinde Baar gestartet. Im Rahmen eines Studienauftrags haben sechs Architektenteams vom Juli 2020 bis im Januar 2021 unterschiedliche Entwicklungsvarianten für das Areal erarbeitet. Das Siegerprojekt wird zu einem Richtprojekt weiterentwickelt, welches anschliessend als Basis für den Bebauungsplan dient. Der Bebauungsplan ist ein öffentlich-rechtliches Instrument und legt beispielsweise fest, wie hoch gebaut wird, wo die Gebäude stehen und wie der Aussenraum gestaltet wird. Dieser wird voraussichtlich im Herbst 2022 öffentlich aufgelegt, bevor die Gemeindeversammlung Ende 2022 darüber befindet. Die zweite öffentliche Auflage ist voraussichtlich im Sommer/Herbst 2023. Nach dem Vorliegen des neuen Bebauungsplans werden Wettbewerbe zur Architektur (Gestaltung, Grundrisstypologien, Umgebungsgestaltung) durchgeführt.

Das Areal wird über die nächsten 10 bis 15 Jahre in mehreren Etappen überbaut – der detaillierte Zeitplan wird erst erstellt, sobald der Bebauungsplan Ende 2023 rechtskräftig ist. Die Bautätigkeiten werden so ausgelegt, dass es zu möglichst wenigen Kündigungen kommt und die heutigen Mieter innerhalb des Areals umziehen können.